Tiertherapie in unserer Einrichtung in Crimmitschau. Bericht aus Freien Presse v. 02.04.14

Kuscheln für mehr Lebensfreude
Tiere können einen positiven Einfluss auf Menschen ausüben. Auch die Leitung eines Seniorenpflegeheimes in Crimmitschau ist davon überzeugt. Regelmäßig empfangen die Bewohner tierischen Besuch.

VON WERNER RICHTER

CRIMMITSCHAU – Es ist Donnerstagvormittag, blauer Himmel und Sonnenschein, tolle 20 Grad Celsius – ein Frühlingstag, wie er kaum schöner sein kann. Die Stimmung bei den Bewohnern und Mitarbeitern des Seniorenpflegeheimes „Im Park“ an der Mannichswalder Straße ist heute besonders gut. Doch das liegt nicht nur am schönen Wetter, sondern auch am außergewöhnlichen Besuch, der sich an diesem Tag angesagt hat. Gemeint sind Anita Pampel aus dem Crimmitschauer Ortsteil Frankenhausen, ihre beiden Mischlingshunde Lacki und Bella sowie ihr Kater Prinz.

Die kleine Abordnung wird schon vor dem Haus von einigen Bewohnern des Seniorenheimes erwartet. Lacki und Bella genießen sichtlich die Streicheleinheiten von Jürgen Seifert, Ilse Weingarten und Monika Döhler. Wie kleine Stars schwänzeln die Vierbeiner um die Heimbewohner herum und lassen es sich gut gehen. Nach einigen Minuten drängt es die Tiere zum Eingang des Hauses. „Ja doch, wir gehen jetzt zu den anderen Leuten ins Haus“, sagt Anita Pampel und gibt dem Drängen ihrer Hunde nach.

„Die besten Erfahrungen habe ich mit Hunden aus Tierheimen gemacht.“

Anita Pampel Tierhalterin

Im Haus das gleiche Bild. Freudige Begrüßung durch Patienten und Mitarbeiterinnen des Pflegepersonals. Man kennt sich schon viele Jahre. Vor einer Wohnungstür in der ersten Etage bleiben die Tiere plötzlich stehen. Dahinter wartet eine Heimbewohnerin, und sie hat für die drei Tiere schon ein Leckerli in der Hand. Bella und Lacki haben sich ganz genau gemerkt, hinter welcher Tür für sie eine kleine Belohnung lauert. Auch Kater Prinz kommt nicht zu kurz. „Es ist schon ein gutes Gefühl zu wissen, mit welcher Freude wir hier alle vier Wochen empfangen werden. Seit langem haben unsere Besuchstage einen festen Platz im Kalender der Heimbewohner“, sagt die 60-Jährige Tierhalterin.

„Wir führen diese Art der Therapie in unserem Seniorenheim schon seit einigen Jahren durch und sind damit bisher gut gefahren“, schätzt die Leiterin der Einrichtung, Jana Becke, ein. „Gerade die an Demenz erkrankten Bewohner brauchen in erster Linie Liebe, Hingabe und Akzeptanz. Sie benötigen Verständnis, da ihr Denken, Fühlen und Erleben von Erinnerungslücken und Verlustängsten geprägt ist. Tiere beurteilen Menschen nicht nach Äußerlichkeiten und machen keinen Unterschied, ob sie geistig behindert sind oder körperliche Gebrechen haben. Ein Tier nimmt nur die ehrlichen Gefühle eines Menschen wahr. Das können wir jedes Mal bei diesen Begegnungen beobachten. Schon allein deshalb pflegen wir im Haus den direkten Umgang mit Tieren, können auch Verwandte bei Besuchen ihre Haustiere mitbringen“, berichtet die Leiterin der Einrichtung.

Nur kurze Zeit später sitzt Kater Prinz auf dem Schoß von Annemarie Schraimel. Theresia Forster und Elsa Schneider beschäftigen sich mit Lacki und Bella. Alle drei Heimbewohnerinnen haben es sich dafür in einer Sitzecke gemütlich gemacht. Die Atmosphäre ist entspannt. Die Hunde genießen es, gestreichelt zu werden, und Kater Prinz beginnt zu schnurren. Und wenn mal eine Berührung nicht so zart wie beabsichtigt gelingt, nehmen es die Tiere nicht übel. Nach Auffassung von Anita Pampel, der Besitzerin der Tiere, zeigen sich besonders demente Heimbewohner vom Tierkontakt entspannt, können sich sogar manchmal an eigene Erlebnisse mit Haustieren erinnern. Einige wissen sogar noch die Hunderasse.

Natürlich eignet sich nicht jedes Tier für so einen Besuch. Und es bedarf großer Erfahrungen des Tierhalters im Umgang mit Hunden oder Katzen. Daran mangelt es Anita Pampel nicht, denn schon seit frühester Kindheit lebt sie mit Tieren zusammen. Zudem hat sie in all den Jahren viele Bücher gelesen, in denen es um das Zusammenleben zwischen Menschen und Haustieren geht. „Die besten Erfahrungen habe ich mit Hunden aus Tierheimen gemacht“, sagt sie. „Es waren allesamt Tiere, die eine weniger gute Vergangenheit bei ihren Vorbesitzern hatten. Durch einen liebevollen Umgang mit ihnen und ihre artgerechte Haltung können sie ihrem Halter und – wie man es hier im Seniorenheim jedes Mal erlebt – auch fremden Menschen viel Freude bereiten.“

Bildtext: Elsa Schneider aus dem Crimmitschauer Seniorenpflegeheim „Am Park“ und Betreuerin Ute Clemen freuen sich sehr über den Besuch von Kater Prinz.