Nonverbale Kommunikation zwischen unseren Mitarbeitern und Bewohnern

Wie der österreichische Psychoanalytiker Paul Watzlawick, sagt: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“ Watzlawick meint mit seiner Aussage, dass Kommunikation nicht zwangsläufig Reden bedeuten muss. Selbst wenn unser Gegenüber uns nur stumm anblickt, kann darin sehr viel Mitteilung stecken.

Der Blick – manchen Menschen wird nachgesagt, dass sie sehr mit den Augen sprechen können z.B. durch Blickkontakt.

Die Mimik – erfolgt im Bereich des gesamten Gesichtes wie z.B. die Stirn runzeln.

Die Gestik – ob der Betroffene mit den Händen das Gesagte unterstreicht oder z.B. in den Haaren spielt.

Der Habitus – das Auftreten und Aussehen eines Menschen „Gehabe“ z.B. die Kleidung.

Die Haltung – hierzu zählt die Körperhaltung z.B. aufrechte oder gebeugte Haltung.

Diese Ausdrucksweisen werden im Alltag bewusst oder unbewusst zur nonverbalen Mitteilung genutzt. Es ist auch erstaunlich, dass das Verbale, also gesprochene Wort, oft nur den geringeren Anteil ausmacht. Die Art und Weise, wie wir etwas sagen, hat oft einen größeren Einfluss auf die Reaktionen der anderen. Die sogenannte paraverbale Kommunikation – die Lautstärke, Sprachmelodie und Betonung, Sprechtempo und Stimmlage. Durch den Mund-Nasen-Schutz geht ein großer Teil der Mimik und Gestik verloren und macht einen Dialog nahezu unmöglich. Durch unterschiedlichste Krankheitsbilder der Bewohner wie z.B. Demenz, Gehörlosigkeit und andere Beeinträchtigungen kommt es zu Missverständnissen, Irrtümern, Unsicherheiten und Ängsten.

 

Um die Kommunikation zu erleichtern und unangenehme Situation zu vermeiden, nutzen wir zahlreiche Gesten im Alltag. So können wir Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse nonverbal ausgedrückt von den Bewohnern erkennen und umsetzen. So können Gesten, wie der Daumen nach oben oder unten beispielsweise für eine Zustimmung oder Ablehnung stehen, zum Essen oder zu einer anderen Bewegung auffordern, seine Abneigung, seine Sehnsucht, Hilflosigkeit oder Freude ausdrücken.

So ging ich in den letzten Wochen zu einem Bewohner mit Persönlichkeitsstörung. Er begrüßte mich wütend, mit dem Daumen nach unten zeigend und sagte: „Mir geht es nicht gut!“ Durch ein zustimmendes Nicken und der Frage: „Was macht Sie wütend?“ kamen wir ins Gespräch. Er fühlt sich massiv eingeschränkt. Er äußerte Einsamkeit, Wut, Ängste, Unwohlsein und Traurigkeit über die Corona – Maßnahmen. Er wünscht sich den Kontaktaustausch ohne Mund–Nasen–Schutz zurück.

Auf dem Flur traf ich einen Bewohner mit angeborener Gehörlosigkeit. Wir begrüßten uns mit der Hand nach oben zeigend und zwinkerten uns zu. Als ich mich mit fragenden Blickkontakt nach seinem Wohlbefinden erkundigen wollte, hielt er sich eine Hand an sein Ohr und die andere zeigte auf den Mundschutz. Mit seinen Gebärden forderte er mich auf, den Mundschutz herunter zu ziehen und Abstand zu halten „Ich verstehe nicht!“. Er ist auf das Lippenlesen angewiesen! Wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann, bittet er das Gespräch auf einen Zettel zu schreiben. Er zeigt seinen Unmut und damit verbundene Einschränkung über den Mundschutz durch abwinken mit der Hand an. So entstand die Idee, die nonverbalen Gesten in Form von Bildern festzuhalten.

Rebecca Hensel
Soziale Betreuung Pflege- und Behindertenzentrum Rauschenbach